Prosa



Rehragout



Seit zwei Tagen war er verschwunden.

Er hatte sich ein Taxi bestellt und wollte mitten in der Nacht noch einmal ins Büro.
Der gedeckte Tisch wartete. Frisches Brot, Wurst, kalter Kaffee.
Aber er kam nicht zurück. Zuerst dachte sie, er würde in der Stadt etwas erledigen. Dann fragte sie sich, ob er wohl im Tennisclub spielte und sie das Match vergessen hatte.
Nachdem der Tag verging und er immer noch nicht zu Hause war, wusste sie, dass etwas nicht stimmte.
"Keine Angst! Er kommt wieder. Das haben Männer oft so an sich, dass sie für ein paar Tage verschwinden." Der Kommissar streichelte ihr über die Hand.
"Hatten Sie Streit, bevor er zur Arbeit ging?" wollte er wissen.
Sie schüttelte den Kopf und versuchte dabei, das Protokoll leserlich zu unterzeichnen.
"Sie werden sehen, wenn er wieder auftaucht, ist er ein neuer Mensch. Momentan sind uns sowieso die Hände gebunden. Soll­te Sie in den nächsten 48 Stunden nichts von ihm hören, kommen Sie wieder. Und dann sehen wir weiter", sagte er und schaute sie mitfühlend an.

Blut. Überall. An den Händen, auf der Arbeitsplatte, dem Fußboden. Ihre Schuhe klebten und machten bei jedem Schritt ein quietschendes Geräusch. Alles an ihr klebte wider­lich feucht. Unter den Fingernägeln hatte sie dunkle rote Ränder.
Wenigstens das offene Fenster brachte etwas Frischluft und vertrieb den süßlichen Geruch. Verdammte Arbeit!
Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Sie löste die Knochen aus, schnitt Filets, Ragout, teilte Rücken und Schlegel und warf die Fettstreifen zum Abfall.
Ihre Finger verkrampften, damit sie nicht abrutschten. Rote Flüssigkeit tropfte von ihren Armen.
Die ganze Küche war versaut. Es würde ewig dauern, bis alles wieder sau­ber wäre.
Lieber ging sie zum Metzger. Im Kochbuch stand, was sie brauchte und der Fleischer richtete alles nach ihren Wünschen.
Ohne Haut und Haar. Sauber ausgelöst. Kein Fell, kein Fett, kei­ne Adern.
Sie musste sich ja unbedingt ihren Schwiegereltern anbieten. Der Jäger hatte ihnen ein ganzes Reh gebracht. Heute frisch geschossen. Und ihr war nichts Besseres eingefallen, als dumm zu grinsen und ihnen die Arbeit abzunehmen.
"Ach, das mach ich gern für Euch. Habt einen schönen Abend. Ich werde es heute Nacht zerlegen und bringe es euch alles morgen fertig vorbei", sagte sie lächelnd.
Sie hatte keine Ahnung, wie man ein Reh fachgerecht zerteilt. Aber es hatte prima in ihren Plan gepasst. Eine Chance, die sie sich nicht entgehen lassen konnte.
Sie zerstückelte das Wild und anderes und packte es in 500 g Stücken in Gefrierbeutel. Die Knochen mussten noch entsorgt werden. Diese würde sie im Wald unter dem Schnee vergraben. Die Füchse und Wildschweine würden sich schon darum kümmern.
Ihre Gefriertruhe war leer. Viel Platz für das Reh, das sie größ­tenteils behalten wollte. Den Rest bekamen ihre Schwiegereltern. Besonders zähe Stücke konnte sie ja an den Hund verfuttern.
Er war nicht mehr aufgetaucht. Anfragen bei allen Krankenhäusern in der Umgebung hatten nichts ergeben. Man bat sie in die Gerichtsmedizin, um in Frage kommende Tote zu identifizieren. Keiner besaß Ähnlichkeit.
Die Polizei sah sich nach einer bissigen Bemerkung ihrer Schwiegermutter bei ihr um. Die Laboruntersuchungen ergaben, dass die Blutspuren von einem Reh stammten. Sie solle sich deshalb keine Gedanken machen. Man wollte nur sicher gehen. Die Fahndung würde weiter laufen, aber viel Hoffnung machte man ihr nicht mehr.
Sie plante, den Kontakt zu seiner Mutter bald abzubre­chen. Täglich heulend bei ihr anrufen, sie aber verdächtigen. Sie schnaufte vor Wut, krallte ihre Fingernägel in die Handflächen und schluckte die Verachtung schließlich mit einem Lächeln herunter.
Nicht mehr lange und sie konnte ihn für tot erklären lassen. Die Aktien und Geldanlagen sowie die Lebensversi­cherungen, gehörten dann ihr.

Sie bestellte sich ein Taxi und fuhr noch einmal zur Polizei. Sie lud den Kommissar zum Dank für seine Mühe zum Essen ein. Am nächsten Sonntag.

Es gab Rehragout.


© ThOsch 2006


17.11.06 14:31




Das Ende eines Lebens



Mit zu Boden gesenkten Kopf steht Frau Dr. Grünfinger in ihrem weißen Kittel vor mir.
Ihre Worte lassen mich aus allen Wolken fallen. Mir wird schwindlig. Das es so schnell zu Ende sein könnte, hatte mir vorher keiner gesagt.
Ich wußte ja, das es irgendwann soweit sein würde. Doch warum jetzt schon? Es sollte doch viel länger dauern.
Ich bin nicht darauf vorbereitet jetzt schon Abschied nehmen zu müssen. Das Leben hatte doch gerade erst begonnen und es stand in voller Blüte. Ich habe diese Schale Herbstastern doch gestern erst gekauft, denke ich wehmütig als ich sie zum Mülleimer trage.



© ThOsch 2006


17.11.06 07:38




Erziehung ?




Halt den Mund


Wir Lieben

Dich
..
.




© ThOsch 2006


17.11.06 07:36




Der Wurm




Thomasio der alte graue Wurm, zog sein ganzes Leben lang von einem Ort zum anderen. Er suchte bei den anderen Tieren Schutz und Nahrung.
Und immer wenn er mit ihnen Freundschaft geschlossen hatte, zog er weiter. Lief davon um sich einen anderen Platz zu suchen.
Daran zerbrachen viele seiner Beziehungen und schon bald wollte niemand mehr etwas mit ihm zu tun haben.
Er war allein!
Eines Tages an einem wunderschönen Strand, traf er auf ein seltsames Tier. "Ich bin so allein! Kannst du mich aufnehmen?" fragte er erschöpft.
"Ja! Du bist mir sehr willkommen" sagte der Krebs und fraß ihn auf.




© ThOsch 2006


17.11.06 07:31


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